Schräger setzte sich auf einen Stuhl. Schweigend betrachtete er den Unglücklichen, der in dumpfes Schluchzen ausbrach. In den grauen Augen des Wirtes zuckte es sonderbar. Ein Weilchen blieb er so ganz still, dann schlich er auf den Zehen hinaus und verkaufte drüben dem wartenden Briefträger um zehn Pfennig Schnaps und Bier.
»Sagen Sie einstweilen von dem Briefe nichts im Dorfe,« sagte er zu dem Briefträger und kassierte die zehn Pfennig Zeche ein. Dann ging er zurück nach der Wohnstube. Behutsam öffnete er die Tür. Raschdorf lehnte auf dem Sofa, die Füße weit von sich gestreckt.
»Hermann!«
»Na, was sagste? Haste gelesen? Fünfzehn Prozent! Was? Das macht sich! Diese Schweinebande!«
»Aber 's muß doch 'n Gesetz geben, Hermann!«
»Gesetz geben! Schafkopp! Gesetz! Wenn Du 'n Hund ohne Maulkorb rumlaufen läßt, oder wenn Du die Wagentafel zu Hause vergessen hast, da gibt's 'n Gesetz, da werden sie Dich schon fassen; aber wenn kleine Leute von Spekulanten um ihr Geld begaunert werden, um Tausende, um viele Tausende, um alles – da gibt's kein Gesetz, da kräht kein Hahn darüber, da kümmert sich kein Teufel drum – Schweinebande!«
Schräger trat nahe an den Sofatisch.
»Es ist schrecklich, Hermann! Und das Schlimmste: nu werd' ich die Schuld kriegen.«
Raschdorf blickte auf.
»Die Schuld kriegen! Du? Hä! Natürlich bist Du schuld!«