An diesem Tage war im Buchenhofe große Aufregung gewesen, denn Hannes hatte plötzlich und ohne alle äußere Veranlassung erklärt, er werde selber gehen, um die Steuer abzuliefern. Er fügte noch die kühne Behauptung hinzu, daß er sich auch vor dem Teufel nicht fürchte, und daß er den Leuten beweisen wolle, daß der Buchenhof ebenso das heilige Recht habe, seine Steuer persönlich zu zahlen wie alle anderen. Zudem läge die Sache günstig, denn Mathias sei nicht zu Hause, der sonst dagegen reden würde.

Was Hannes zu seinem kühnen Plane begeistert hatte, ist, wie gesagt, schwer zu bestimmen. Es war zum Teil Laune, zum Teil die Lust, endlich einmal etwas Neues zu erleben und der Einsamkeit entrissen zu werden.

Wie nun aber immer bei der Entscheidung »prinzipieller Fragen« viel und klug geredet wird, so auch hier. Sogar der Schaffer beteiligte sich an der Debatte, scheinbar gegen Hannes, im Grunde aber doch wie immer für ihn. Heinrich war unschlüssig, und nur Lene widersprach aufs heftigste. Aber schließlich siegte Hannes. Er bekam das Steuerbuch ausgehändigt, und Lene zählte ihm aus der »Schwinge« den Steuerbetrag auf und noch eine Mark darüber, wie Hannes wünschte. Sie mußte ihm sogar das große Paradeportemonnaie des alten Raschdorf borgen, das dieser immer nur bei besonders feierlichen Anlässen gebraucht hatte.

Also ausgerüstet schritt Hannes in seinem Sonntagsanzug über die Straße, stolz wie ein Held, der in den Kampf zieht, einer gegen alle.

Die Buchenhofleute sahen ihm vom Fenster aus nach. Das Herz klopfte allen, am meisten dem besorgten Vater des Helden. Am besten sei es, meinte der Schaffer, er bewaffne sich mit einem tüchtigen Stecken und stelle sich hinters Hoftor, damit er gleich hinüber könne, wenn er etwa den Hannes schreien höre.

Aber Hannes schrie nicht. Mit einem Ruck riß er drüben die Tür des Kretschams auf und trat hocherhobenen Hauptes in die Stube. Sein urplötzliches Erscheinen hatte wirklich den gewünschten Erfolg. Die Bauern waren über die Maßen verblüfft, und es entstand eine große Stille.

Diese Wirkung gedachte Hannes noch zu steigern. Er schnitt also ein Gesicht, das hoheitsvoll sein sollte, in Wirklichkeit aber verunglückte, trat an den Gerichtstisch und grüßte mit nachlässiger Stimme:

»Mahlzeit!«

In dem städtischen Gruße »Mahlzeit«, meinte Hannes, liege die ganze Summe von Hoheit und Vornehmheit, über die ein Mensch verfügen könne, klar ausgedrückt.

»Mahlzeit!« wiederholte er, da niemand antwortete. »Ich bringe persönlich die Steuer vom Buchenhofe, denn der Buchenhof hat das Recht dazu!«