»Daß der Vater tot is, das is erwiesen!«

Darauf wußte er nichts zu entgegnen. Endlich sagte er: »Der Vater ist verunglückt.«

»Nein!«

Dieses »Nein« klang furchtbar in der Stille der Nacht. Heinrich traf es wie ein Schlag, und er fröstelte in sich zusammen. Er hatte nie dieser schrecklichen Frage gegenüberstehen können, ohne eine versöhnliche Antwort mit aller Macht zu erzwingen. Dieses herbe Mädchen gab die Antwort. Er sah sie scheu an.

»Wie kannst Du – wie kannst Du das nur sagen, Lene? Vom Vater?«

Auf einen Augenblick kämpfte sie mit Tränen. Dann kam der Groll wieder über sie.

»Vaters Tod ist ganz klar. Und der Schräger hat's gewollt. Der hat unseren Vater ums Geld gebracht, dann hat er falsch geschworen, und zuletzt hat er das Geld gekündigt. Da wußt' sich der Vater keinen Rat mehr. Und jetzt – jetzt laufst Du hin – der einzige Sohn –«

Es war aus mit ihrer Fassung. Sie sank auf einen Stuhl, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und fing leidenschaftlich an zu weinen.

Er saß ihr in zusammengesunkener Stellung und mit unbewegtem Gesicht gegenüber. Endlich sagte er tonlos: »Hör' auf zu weinen, Lene. Es ist ja nichts geschehen. Ich will nicht leugnen, daß ich der Lotte gut bin – lange schon, länger, als ich's selber weiß, aber das – das wird sich ja überwinden lassen – weil es muß – weil es muß –«