»Ihr Halunken! Gelt, das wär' a Spaß gewesen, wenn Euch der Mathias Berger ins Dorf gezogen hätte! Na, heul' nich etwa, Hannes! Sagen wird Dein Vater zum kaputen Zylinder nischt; a sagt ja nie was; höchstens durchhauen wird a Dich.«

In diesen Worten vermochte Hannes einen erheblichen Trost nicht zu erblicken, und so versprach ihm Mathias Berger einen neuen Zylinderhut. Er habe zwei Stück. Einer rühre von seiner Hochzeit her, den anderen habe er geerbt. Der Hannes solle sich den schönsten gleich abholen, ehe der Vater vom Felde heimkehre und gewahr werde, was mit seiner »Trauertonne« passiert sei.

Da war die Not des Buben behoben. Und nachdem Hannes durch einige kritische Fragen, die das Erbstück betrafen, die tröstliche Zusicherung erhalten hatte, daß die beiden Hüte Bergers wirklich Prachtexemplare ihrer Art seien, spannte er sich selbst neben den von ihm sonst heißgeliebten Pluto und zog mit ihm das Wägelchen die Straße hinab dem Dorfe zu.

Mathias Berger und Heinrich Raschdorf folgten in einiger Entfernung. Es war Abend geworden. Einzelne Schnitter kamen heim vom Felde. Irgendwo draußen waren die ersten Halme gefallen. Wie die Leute am Anfang der Ernte so stolz daherschreiten! In ihren Muskeln ist aufgespeicherte Kraft, und die frohe Gewißheit wohnt in ihren Herzen, daß ihr Körper kräftig und tüchtig ist. Diese gesunden Menschen sind vielleicht die glücklichsten Leute der Erde. Sicher aber die leidlosesten, die ruhigsten, die ungeängstigtsten. Was ihnen fehlt, wissen sie nicht, und was sie haben, steht über aller Wertung nach Geld. Die anderen haben viel, was Plunder ist, und das Schlimmere ist: sie wissen, was ihnen fehlt, und grübeln darüber nach und sehnen sich müde. Es ist kein Wunder, daß ein verschlossener, wortkarger Stolz in den Bauern wohnt. Lächelt der Städter über den Landmann, wenn er ihn unbeholfen über seine Straßen troddeln sieht, der Bauer lacht unendlich verächtlicher über den Städter, wenn der neben seinen Erdfurchen und strotzenden Saaten so vorsichtig und blaß und müde daherwandelt.

Mathias Berger sah seinen jungen Begleiter an, der einen grauen Anzug mit kurzen Hosen, einen weißen Strohhut und Gamaschen trug. »Eigentlich siehst Du Dich komisch an hier auf der Dorfstraße,« sagte er.

»Ja, Mathias, wissen Sie, und ich wär' auch viel lieber wieder zu Hause.«

»Gefällt Dir's nicht auf der Schule in Breslau?«

»O ja, wenn man der Siebente ist von achtunddreißig, das ist schon ganz anständig. Im Französischen hab' ich bloß »genügend«, sonst steh' ich ganz gut. Aber wissen Sie Mathias, das Schlimme ist, daß mir immer so bange ist.«

»Du hast wohl manchmal das Heimweh, Heinrich?«

Der Knabe mäßigte seine Stimme.