»Ja, aber das sag' ich bloß Ihnen, Mathias! Sonst müßt' ich mich ja zu sehr schämen. Und meine Kollegen würden sagen, ich sei eine Memme, und ich kriegte Klassenkeile. Aber mir ist halt immer so bange. Ich kann nicht dafür. Überhaupt nach den Ferien! Einmal hab' ich nach den Ferien meine Wochentagsschuhe vier Wochen lang nicht angehabt. Ich mochte sie nicht abbürsten, weil – weil Boden von zu Hause dran war.«

Der Lumpenmann wandte sich ab und sagte mit verstellter, etwas heiserer Stimme:

»Das wirste schon noch überwinden lernen, Heinrich! Oder willste nicht gern Doktor werden oder Pfarrer oder sowas?«

»Nein, Mathias, ich will nicht! Ich will wieder zu Hause sein, wo Ihr alle seid.«

»Willste denn Bauer werden, Heinrich?«

»Ja. Sehn Sie mal, Mathias, es wär' doch schade um unser schönes Gut. Sehn Sie, hier gerade an dem wilden Kirschbaum kann man unsere ganzen Felder übersehen. Das sind doch viel! Nicht, Mathias? Eigentlich sind wir doch reich. Aber das sag' ich gar nicht in Breslau. Ich denk' bloß immer dran, daß wir so ein schönes Gut haben.«

Der Lumpenmann bückte sich hastig nach dem Wegrande, riß einen Stengel Sauerampfer ab, biß darauf herum und spuckte dann alles weit von sich.

»Was macht denn Deine Mutter?« fragte er.

»Die ist wieder ganz krank. Am Mittwoch, wie Wochenmarkt in Waldenburg war, war sie mit beim Doktor.«

»Und was hat der gesagt?«