Sie schaute nicht auf. So ging er aus der Stube, und Heinrich begleitete ihn bis in den Hof. Dort saß der alte Schaffer als Kutscher auf dem kleinen Korbwagen und tat ganz gleichgültig, hatte aber doch einen dunkelroten Kopf.
Bald darauf zogen die Pferde an. Ade, alte Heimat!
Es war eine »Mission« im Dorfe abgehalten worden. Ein paar fremde, tüchtige Geistliche hatten täglich mehrere Predigten abgehalten, und die Leute waren scharenweise zur Kirche gegangen.
Ein alter Franziskanermönch hatte auch gesprochen über den »Beruf« und also geschlossen:
»Gott hat einem jeden Menschen seinen Beruf ins Herz gelegt. Ihr aber, wenn Ihr seine Stimme höret, verhärtet Eure Herzen nicht!«
Danach war es zwischen Liese und ihrem Vater zu einer letzten Aussprache gekommen.
Mathias hatte unter allen in den letzten Monaten am meisten gelitten. Ihm war die Veränderung wohl aufgefallen, die mit Heinrich vorgegangen war. Er hatte gesehen, wie der junge Mann mit sich rang; wie er niemals wieder das Haus Schrägers betrat und dafür immer die Gesellschaft der Liese suchte. Er war so freundlich mit ihr in allen Dingen, und der kluge Mathias wußte wohl, daß Heinrich einen Weg, eine Möglichkeit suchte, daß er sich selbst bezwingen wollte, um schließlich, wenn er ein wärmeres Gefühl für die Liese hätte, doch noch den Herzenswunsch des Mathias zu erfüllen.
Und da hatte unverhofft eines Tages die Liese ihren Vater gebeten, daß sie vom Buchenhof weggehen und zur Tante hinunterziehen dürfe ins Dorf.