Mathias wußte, was das bedeutete, und er hatte sich gefügt. Er konnte dem stillen Mädchen nichts mehr versagen. Und ob das Kind all seine irdische Liebe bekämpft hatte und nun täglich in der Kirche kniete – die Frage quälte ihr zartes Gewissen: ob sie noch würdig sei, eine Dienerin Gottes zu werden.
Da kam ein recht stiller, schwermütiger Abend. Draußen auf der Dorfaue spielte der Wind mit welkem Laub, trug es hin durch den Staub der Straße und senkte es drüben in den tiefen, schlummernden Teich.
Die Liese hatte lange hinausgesehen, auch nach den grauen Wolken, die am Himmel hingen. Dann wandte sie sich langsam um.
»Vater, ich will heut' zur Beicht', ich will fragen.«
Mathias sagte nichts. Er hatte darauf gewartet.
Er wandte sich ab und hörte kaum, was ihm die Liese noch einmal sagte von Beruf und Gnade, von Nächstenliebe und Herzensfrieden.
Zuletzt sagte er nur die Worte:
»Geh' in Gottes Namen!«
Dann ging er fort – in den Herbst hinaus, über die kahlen Felder bis in den gelben Wald. Aber wie er eine Weile gewandert war, faßte ihn eine furchtbare Bangigkeit und eine zehrende Sehnsucht nach seinem Kinde, und er kehrte um und ging dorthin, wo sie war.
Dunkel lag die Kirche. Das ewige Licht nur brannte rot und magisch vor dem Altar; hie und da flammte ein Lichtlein in den Bänken der Beter, und große Schatten huschten über die alten Bilder.