Heinrich zitterte vor Erregung.
»Mathias, das schwör' ich Dir: Ich kann keinen Mann mehr achten und keinem mehr dankbar sein als Dir, das ist ja selbstverständlich, und ich hab' die Liese gern gehabt und eine Verehrung für sie gehabt, wie gegen kein anderes Mädel – aber, Mathias, zum Heiraten gehört doch die richtige Liebe, und wenn ich – wenn ich so – nein, das ging nicht! Mathias, das ist wahr, ich hab' Tag für Tag mir eingeredet, ich kann die Liese heiraten, und manchmal da war mir's auch so, als ob es gehen würde, aber dann – wenn ich bloß die Lotte einmal zufällig von weitem sah – da – da – – Mathias, es wär' ja gar nicht darum, ob ich glücklich bin oder unglücklich; ich bin ja mein Leben lang wenig oder gar nicht glücklich gewesen, aber konnt' ich denn Dich und die Liese so betrügen, konnt' ich das? – Und daß sie fortgehen würde ins Kloster, das hab' ich ja nicht gewußt.«
Mathias Berger sah den aufs höchste erregten, jungen Mann ruhig an.
»Setz' Dich, Heinrich, setz' Dich zu mir! Wir wollen ruhig miteinander reden. Es is gutt, daß Du so ganz offen zu mir bist, und ich will Dir auch alles sagen. – Ja, ich hab' darauf gehofft. Wie das so gekommen ist, weiß ich nich. Ich hab' Dir schon gesagt, daß ich Deiner Mutter gutt gewesen bin, als ich jung war. Ich war a armer Kerl und konnt' sie nich haben. Ich weiß, Heinrich, was das heißt, ich weiß! Dann hab' ich doch eine andere geheirat't. Sie hat nur noch a Jahr gelebt; aber ich glaube, wir wär'n gutt zusammen ausgekommen. Wenn man jung is, denkt man, 's geht ohne so eine große Liebe nich. Ach ja, es geht doch, 's geht manchmal besser wie bei solchen Leuten, die vor der Hochzeit ganz vernarrt ineinander sind. Daran dacht' ich, wie ich sah, daß meine Liese an Dir hing, und daß Du so gar nischt davon wußtest und nich daran dachtest. Ich hoffte immer, es kann werden, es kann noch gutt werden. Nu is alles anders gekommen. Ich verhehl' Dir nich, Heinrich, mir is heute zumute wie zum Sterben, weil's doch gerade meine Allereinzige is.«
»Mathias! Mathias! Daß ich Dir das antun mußte, das ist schrecklich! Das ist zum Verzweifeln!«
»Heinrich, flenne nich! Böse bin ich ja gar nich auf Dich. Ich kenn' Dich schon. Das is halt gekommen, wie's kommen muß. Und sieh mal, die Liese wird ja nich unglücklich. Die geht ins Kloster; sie is glücklich darüber, das is ja mein Trost. Ich hab' immer die Mütze abgenommen, wenn ich 'ne Krankenschwester traf. Und wenn ich mich erst werd' besser reingefunden haben, da werd' ich ganz zufrieden sein. Bloß fürs erste fällt's halt schwer.«
Heinrich sah seinen alten Freund plötzlich verängstigt an.
»Mathias! Du wirst doch aber auch bei mir bleiben?«
»Nein! Erschrick nich! 's beste is, wir sprechen heute gleich alles aus.«
»Du willst fort? Fort von uns?«