Am Tage war der Novembersturm jäh und tückisch zur Höhe gefahren und hatte die Wolken angefaucht wie ein bissiger Steppenwolf eine Herde weißer, schwarzer und scheckiger Rosse, so daß alle ratlos durcheinander rannten, sich stießen und ängstlich drängten und alle in großer Not waren, während die ersten, vordersten von dem Ungetüm zerrissen wurden. Aber dann hatte sich die Herde gesammelt, war vorgerückt gegen den Feind, hatte ihn zurückgedrängt, langsam, schrittweise, und ihn erdrückt, als sie ihn am Erdboden traf.

Jetzt lagen die Himmelsrosse müde und sicher auf Feldern und Wiesen, und ein Mensch, der hinausging, mußte sich durchdrängen zwischen ihren weißen und grauen Leibern.

In trübseligem, grauem Licht lag die Wohnstube des Buchenhofes. Heinrich Raschdorf war allein. Lange war er für sich auf- und abgegangen; jetzt lehnte er am Ofen und sah hinaus in den nebligen Tag.

Im ungewissen Licht des trüben Novembertages sah der Buchenbauer erschreckend aus. Die Augen waren tief eingefallen und hatten einen krankhaften Fieberglanz, die Wangen waren farblos, welk, und die ganze Gestalt matt und schlaff.

Das kam vom vielen Grämen am Tage und langen Wachen in der Nacht. Das kam von der Einsamkeit, kam davon, daß Heinrich Raschdorf erst in diesen Tagen ein gänzlich Heimatloser geworden war.

Lene war fort.

Einmal hatte er noch versucht, sich mit ihr auseinanderzusetzen, ihr alles zu erklären. Es war erfolglos gewesen. Nur in neuen Zorn waren beide geraten, und die Kluft zwischen ihnen hatte sich vertieft.

So war sie fortgegangen aus der Heimat. Fest und sicher war sie aus der Tür getreten und hatte den Wagen bestiegen, ohne sich noch einmal umzusehen.

Sie hatte auch keine Träne vergossen auf der ganzen Fahrt. So sagte der Knecht. Nur beim Mathias unten im Dorfe war sie abgestiegen und über eine Stunde geblieben.