Er suchte den Hut und band einen Kragen um.
Da grinste ihn warnend der alte Zweifel an.
Hinter einem Bilde seines toten Vaters sah er hervor. –
Er stand still. Er wagte nicht, sich umzusehen. Es war ihm, als ständen an der Stubentür all die Seinigen: Lene mit zürnend abwehrenden Armen, Mathias mit einer stummen Bitte in den guten Augen, die Liese mit traurigem Gesicht, und ganz im Hintergrunde, draußen auf dem dämmerigen Hausflur, schemenhaft die Toten: Vater und Mutter.
Entmutigt sank er auf einen Stuhl und stöhnte laut. Und die Einsamkeit ging und schloß die Tür, nahm ihm den Hut vom Kopfe und sang ihr monotones, totes Lied.
Aber sie täuschte sich. Sie sang das Lied um eine Nuance zu schauerlich, um ein klein wenig zu hart, um ein paar Grade zu höhnisch. Sie sang es unerträglich für den, der es anhören mußte.
»Ich ertrag's nicht länger; und wenn's unter tausend Flüchen wär' – ich geh ihr nach!«
Mit wenigen Schritten war er draußen. Mit roten Wangen stürmte er durch den Herbstnebel. Das Blut brauste ihm im Herzen und im Kopfe. Der Nebel hüllte ihn ein, er konnte den Weg ins Dorf nicht übersehen.
So lief er, jagte dahin, wie einer, der auf verzweiflungsvoller Flucht ist, oder einer, der dem letzten, rettenden Heil nachjagt, das er zu verlieren glaubt.