Jetzt – jetzt tauchte die Gestalt eines Mädchens aus dem Nebel auf. Ein paar Schritte noch, dann erkannte er sie deutlich.

»Lotte!«

Wie ein Schrei tönte der Name durch die stille Luft.

Sie wandte sich erschreckt um. Mit großen Schritten und glühendem Gesicht kam er ihr näher.

»Lotte – sei nicht böse – ich muß Dir nach – ich werde verrückt allein!«

»Heinrich, o Gott, Heinrich, was ist Ihnen? Wie sehen Sie aus?«

»Tu mir den Gefallen, Lotte, sprich »Du« zu mir, wie früher; sei ein klein bißchen freundlich! Ich halte so das Leben nicht mehr aus! Ich gehe zugrunde!«

»Heinrich! Lieber Heinrich!«

Sie sah ihn mit ihren schönen Augen mitleidsvoll an, und er stand vor ihr zitternd, bebend; der Atem ging ihm schwer, die Augen glühten ihm, und sie war so schön, so herrlich schön, und da riß er sie wortlos in seine Arme mit einer Wut und Glut, wie das Tier sein Opfer faßt aus schmerzhaftem Hunger, und überdeckte ihr Gesicht mit rasenden Küssen.

Wie mit eisernen Armen hielt er sie fest; wie ein Ertrinkender sich an seinen Retter klammert, so klammerte er sich an sie, und mit dem ganzen fiebernden Heißhunger einer glücksgierigen Seele küßte er sie. Sein Gesicht veränderte sich, seine Augen bekamen einen fremden, unheimlichen Glanz; all die Leidenschaft, die jahrelang zurückgedämmt war, brach durch, all der brennende Durst nach Glück und Liebe wollte sich sättigen.