Er schüttelte nachdenklich das Haupt.
»Nein! Ich hab' viel darüber nachgedacht. Was ist überhaupt die Heimat? Ich weiß es nicht! Ich weiß bloß, daß ich nie eine gehabt hab', es wär' denn als Kind. Wir haben kein glückliches Leben gehabt – alle nicht! Und so wär' es geblieben, wenn ich die Liese genommen hätte. Nein, es wär' noch viel schlimmer geworden. Denn Dich hätt' ich doch nie aus dem Sinn gebracht, niemals!«
Sie lehnte den Kopf an seine Schulter, und er küßte sie wieder.
Tief aufatmend richtete er sich auf und stand still, als ob er sich besinnen müsse. Wie war ihm? Frei, leicht, stark war ihm zumute, so, als ob Lasten von seiner Seele geglitten und neue, heitere Wege ihm eröffnet wären.
»Lotte, jetzt wird das Glück kommen!«
Sie schmiegte sich an ihn und erzählte nun von sich, von ihrem trostlosen Heim, von der Seligkeit, die sie im Mai trotz ihres kranken Fußes empfunden über seine Fürsorge, von der langen, glücklosen Zeit, als täglich der Barbier aufs neue erzählt habe, wie sehr sich der Heinrich um die Liese bemühe, und der junge Riedelbauer sie mit seinen Zudringlichkeiten belästigt, und dann davon, wie sie gehört habe, die Liese gehe ins Kloster und Mathias habe sich mit Heinrich verfeindet. Da habe sich eine neue Hoffnung in ihr Herz geschlichen. In den Wochen darauf aber, als auch die Lene fort war und sie ihn so müde und krank herumgehen sah, da hätten die Mägde erzählt, der junge Buchenbauer werde tiefsinnig, er esse nicht mehr und wache ganze Nächte in seinem Zimmer, und dann sei wieder der Barbier gekommen und habe gesagt, der Heinrich gräme sich zu Tode um die Liese. Da sei es freilich aus gewesen mit all ihrer Hoffnung.
»Aber jetzt, Heinrich, jetzt ist doch alles anders!«
Die Glückseligkeit der Liebe strahlte auf dem Gesicht des Mädchens.
Er blieb stehen.