Wenn er nur mit jemand reden könnte, jetzt nicht wieder allein sein müßte! Er besann sich und ging hinüber zum Schaffer.

Der Schaffer saß an seinem Tisch und studierte an einem Briefe. Er wollte das Schriftstück verstecken, aber dann besann er sich, schob es Heinrich hin und knurrte:

»Is egal! Da! Vom Hannes!«

Heinrich las:

Lieber Vater!

Indem ich Dir auch wieder einmal schreibe. Du sollst keinen Kummer um mich haben. Es geht mir gut. Aber ich hab drei Tage Arrest gekriegt. Du mußt aber keinen Kummer haben, denn sie sind schon rum. Und es war zum Aushalten. Weil nämlich die Lene an mich geschrieben hat, daß sie mich heiraten wird, da hab ich die Knöpfe nicht geputzt und bin zum Appell zu spät gekommen. Wobei einen der Unteroffizier gleich klemmt. Wogegen ich mir eins gepfiffen hab, wie ich im Kasten war. Denn ich freu mich so, daß mich die Lene heiraten tut, weil ich ihr gut bin, und weil sie ein schönes, starkes Mädel ist. Dann werde ich Bergmann, und sie näht. Da kommen wir aus, weil ich nicht trinke und auch nicht tanze. Lieber Vater, es tut mir sehr leid, daß die Lene mit dem Heinrich so Krach gemacht hat und weg ist. Die Tante Emilie, bei der sie jetzt ist, kann ich nicht gut leiden, sie ist eine alte Kröte. Aber ich muß jetzt tun wie tulpe und zu der Lene halten, weshalb ich ihr Bräutigam bin. Wo ich ja jetzt auch auf den Heinrich schimpfen muß, indem sie mich sonst nicht nimmt. Was aber alles bloß Getue ist. Denn der Heinrich ist immer mein Freund gewesen, und das laß ich nicht. Aber jetzt tu ich so und schimpf auf ihn, soviel ich kann. Das mußt Du ihm sagen, daß er's nicht übel nimmt, wenn er mal was hört. Wenn ich die Lene werd geheiratet haben, bin ich der Herr im Hause. Da wird's anders, da gibt's dann keinen Krach mit dem Heinrich mehr. Hauptsache, erst heiraten! Daß Mathias auch weg ist und die Liese, das ist sehr schade. Indem sich das aber nicht ändern läßt. Und Du mußt bleiben auf dem Buchenhof, sonst geht alles pleite. Lieber Vater, wenn ich zu Weihnachten Urlaub krieg, fahr ich nach Waldenburg. Da mußt Du am ersten Feiertag hinkommen. Denn auf den Buchenhof komme ich wegen der Feindschaft nicht. Und wenn ich keinen Urlaub krieg, da komm ich überhaupt nicht. Wegen der drei Tage! Und mußt keinen Kummer haben und den Heinrich schön grüßen und ja nichts der Lene sagen von allem. Dann kannst Du mir nötig zehn Mark schicken.

Besten Gruß

Dein Sohn

Johannes Reichel.