»Wird niemand kommen, niemand sonst?« fragte Heinrich. Hirsel schüttelte verlegen den Kopf.

»Verhetzt! Alle verhetzt! Der Barbier is a Schandkerl.«

»So setzen Sie sich, Herr Hirsel: ich werd's Ihnen nicht vergessen, daß Sie gekommen sind.«

Es war eine trübselige Verlobungsstimmung. Schräger stierte immer vor sich hin und schimpfte in sich hinein, Heinrich und Lotte hielten sich an den Händen, und der alte Hirsel saß vor seinem Bierglase und wollte nicht trinken. Vom Wetter sprachen sie schließlich, von den Rübenpreisen, von ein paar nebensächlichen Ereignissen aus dem Dorfe. Dann waren wieder lange Pausen, und die alte Wanduhr tickte trostlos, einförmig. Niemand wollte reden, niemand wußte etwas zu sagen.

Mitten in all dieser Stille war Heinrich in schwerer Erregung. Zuweilen preßte er die Hand des geliebten Mädchens. Da wünschte er sich weit fort mit ihr. Wenn er einen einzigen Freund gehabt hätte, jemand, der sich mit ihm freute! So war er allein. Und das war der Abend, der für die meisten Menschen der strahlendste und glücklichste des Lebens ist, an welchem sich an jeden ein paar gute Menschen drängen, um Freundschaft zu zeigen, um Glück zu wünschen.

Hier war es so erschreckend öde. Kaum, daß ihm der alte Hirsel manchmal ein wenig zulächelte.

Dann dachte er daran, daß nun doch die eigentliche Verlobung vollzogen werden müsse. Wer sollte das tun? Wer? Schräger würde nicht anfangen.

Also er selbst! Aber es fiel ihm maßlos schwer, in solcher Umgebung und solcher Stimmung ein so schweres, entscheidendes Wort zu sprechen. Und dann, wie sollte er den Mann anreden? Jetzt mußte er »Vater« zu ihm sagen! Und es war ihm, als ob vor seiner Seele eine bleiche Gestalt auftauche und ihm mit gebietendem Blick sage: »Mißbrauche nicht meinen Namen!«

So schob er's auf in innerer Unrast, und es verging eine halbe Stunde und noch eine. Die Uhr schnarrte durchs Zimmer, und dann war wieder diese bedrückende Stille. Da, als ihn Lotte einmal bang anschaute, stand Heinrich auf: »Va– Vater, Sie haben mir Ihr Jawort gegeben bei meiner Werbung, und Lotte und ich werden uns jetzt mit Ihrer Zustimmung verloben.«

Er wartete auf eine Antwort. Schräger stierte auf.