Die Sterne glänzten am Himmel, die Straßen waren ganz leer. Da ging Heinrich Raschdorf abermals zum Bahnhof. Noch einmal las er die Briefaufschrift, die für ihn den teuersten Namen der Welt enthielt, und legte den Brief in den Kasten. Um neun Uhr am Vormittag würde sie ihn schon haben. Das war in vier Stunden. In nur vier Stunden!

Ein qualvoller Tag verging, eine lange Nacht. Mit überwachten Augen und doch mit brennend roten Wangen saß Heinrich Raschdorf frühmorgens am Fenster seiner Stube und lugte aus nach dem Briefträger. Endlich kam er; er kam auf das Haus zu. Heinrich Raschdorf ging durch die Stube hinaus ins Entree und lehnte sich an die Tür. Jetzt! – Da! – »Herrn Heinrich Raschdorf!«

In seiner Stube besah er den Brief.

»Inliegend ein goldener Ring.«

Er tastete nach einem Stuhl. Dort öffnete er den Brief. Ein goldener Ring fiel heraus, klang kurz auf und rollte über die Diele. – Er las bruchstückweise:

»Sie beurteilen mich falsch, Sie können mir nicht in die Seele sehen – Sie wissen nicht alles – ich kann Sie nicht betrügen – kommen Sie nicht her –«

Als die Vermieterin in die Stube trat, fand sie ihren Zimmerherrn bewußtlos auf dem Fußboden liegen. Die Erschöpfung und Erregung war zu groß, die Enttäuschung zu grausam gewesen.


Es war ein Jahr später. Hannes saß bei Heinrich in der Stube und trug seinen Zivilanzug. Er war heute vom Militär entlassen worden.

Melancholisch starrte der Bursche vor sich hin.