»Natürlich, Lene,« antwortete der Leichenbitter und fiel aus der Rolle. »Es wird riesig ulkig. Heinrich is Pfarrer und ich Totengräber, und du mußt das Hühndel in a Sarg legen. Auf 'm Kleiderschranke sind ja die Zigarrenkisten; da nimmste eine, und da haste die Leiche!«

Damit warf er dem Mädchen das tote Hühnchen, das er bisher in der Hand getragen hatte, aufs Fensterbrett, schlug sich selber mit dem »Grabebitterstöckel« ein paarmal auf die Waden und rannte davon.

Der »Buchenkretscham« war vom »Buchenhofe«, auf dem Heinrich und Magdalene die Kinder der Herrschaft waren, Hannes aber als Sohn des »Schaffers« lebte, nur durch die Straße getrennt, die von der Stadt her nach dem schlesischen Gebirgsdorfe führte. Früher waren beide Höfe zu einer großen »Herrschaft« vereinigt gewesen. Der letzte Besitzer war bankerott geworden, das Gut wurde dismembriert, einzelne Teile des Ackers wurden an Bauern des Dorfes verkauft; aus dem Rest der Felder und den Gebäuden aber entstanden zwei neue Besitztümer, immer noch sehr stattlichen Umfanges: der Buchenhof Hermann Raschdorfs und der Buchenkretscham des Julius Schräger.

Vor dem Kretscham machte Hannes vorsichtig Halt. Er schlich an ein Fenster der Gaststube und lugte vorsichtig durch die Scheiben. Die Ausschau befriedigte ihn. Sein »Herr« und Schräger, der Gastwirt, saßen beisammen und sprachen eifrig miteinander. Diese beiden würden voraussichtlich die Trauerfeierlichkeit nicht stören. Also begab sich Hannes Reichel nach dem Hausflur. Er hatte Glück und traf die Schräger-Lotte, die er suchte.

Das etwas blasse Kind erschrak ein wenig, als es Hannes dreimal mit seinem Stecken auf den Arm klopfte und sagte:

»Der Herr Raschdorf läßt schön grüßen, und ob die Jungfer Lotte vielleichte so freundlich sein täte und 'm toten Hühndel 's letzte Ehrengeleite geben. Der Pfarr' und die Schule gehn mit!«

»Was? Der Herr Raschdorf sitzt ja drin in unserer Stube. Und warum hauste mich denn so auf den Arm?«

Der Grabebitter fiel abermals aus der Rolle.