»Tumme Gans, der Herr Raschdorf is der Heinrich, und wenn Du nich in 'ner halben Stunde drüben bist und mitmachst, da – da sollst Du mal sehen!«

Das Mädchen wollte noch etwas fragen, aber Hannes »schmitzte« bereits seine Waden und »sockte« ab.

»Mit der Lotte is nischt los,« sagte er zu sich selbst. »Sie is 'ne Tunte! Aber die Lene, die Lene!«

Und das Bürschlein blieb einen Moment stehen und verdrehte verliebt die Augen. Dann setzte es sich schnell wieder in Bewegung.

Im grellhellen Licht des Julitags lag das Dorf langgestreckt drunten im Tal. Die Nordseite war durch einen waldigen Hügelzug abgeschlossen, an dessen Abhang, etwas abgesondert vom Dorfe, die Buchenhöfe lagen. Drüben die südliche Einrandung der Talmulde war viel niedriger, ganz mit gelben Saaten bestanden, über denen schwer und schwül die Sommersonne lag. Und all die vollen Ähren standen wie im heißen Fieber, in einem Fieber, welches das Leben zur Gluthitze bringt und doch die besten Säfte und Kräfte verkalkt, verzuckert und vermehlt, so daß nach dem heißen Rausch das Sterben kommt.

Hannes rannte hinab ins Dorf. An ein paar Bauernhöfen lief er vorbei, dann kam eine grüne Aue, auf der ein kleines, nettes Haus stand.

Hannes reckte sich und klopfte mit seinem Stecken ans Fenster. Ein schmächtiges, blasses Mädel erschien.

»Der Herr Heinrich Raschdorf läßt schön grüßen, und ob die Jungfer Liese nicht so freundlich sein wollen mögen täte, 'm toten Hühndel 's letzte Ehrengeleite zu geben. Der Pfarr' und die Schule gehn mit!«

»Wenn is es denn? Wenn is es denn?« fragte das Kind mit vielem Interesse. »Macht der Heinrich a Pfarrer?«

»Natürlich, Liese, macht a 'n Pfarrer.«