»Mir wird schlecht,« sagte die Krämerin und ging hinaus.
Und nun wieder diese schwere Stille. Hin und wieder hörte man leise die Feder des zurückgebliebenen Staatsanwalts kratzen, der gleichmütig Akten las und unterschrieb.
Die Geschworenen kamen zurück. Kein Laut ging durch den weiten Saal. Auch draußen war's still.
»Die Geschworenen haben die Schuldfragen verneint. Hermann Raschdorf ist freigesprochen und alsbald aus der Haft zu entlassen.«
Da begrub der Mann auf der Anklagebank sein Gesicht in beide Hände und weinte wie ein Kind. Eine Qual taute auf, eine furchtbare, lange Qual.
Die große Gaststube des »Gelben Rosses« war überfüllt. Es war nachmittags gegen 4 Uhr. Nur Bauern waren da, die von der Schwurgerichts-Verhandlung kamen und im »Gelben Roß« ihre Pferde und Fuhren untergebracht hatten.
Da herrschte wüstes Stimmengewirr. Die Leute hatten alle rote Gesichter, und auch die Langsamen und Schläfrigen unter ihnen waren aufgeregt und redeten viel oder grunzten wenigstens viel öfter und intensiver als sonst. Die viele innere Hitze brachte reichlichen Alkoholgenuß und der Alkohol wiederum viel innere Hitze zuwege, und die Bestellungszurufe an die Bedienung wie die Prostschreie waren das einzige, was abseits der Affäre Raschdorf gesprochen wurde.
Irgendein Verein zog draußen mit klingender Musik vorbei. Aber nur wenige Weiber traten ans Fenster. Den Männern war das Schauspiel, das sie sonst sicher über die Maßen interessiert hätte, heute gleichgültig.