»Wenn a mir was tut,« sagte Ernst Riedel, »geht mein Vater zum Schulinspektor.«
»Und meiner och!«
Sie gingen. Hannes schaute ihnen eine Weile nach. Dann spuckte er aus und schrie ihnen nach: »Ochsen, Ochsen, Dorfochsen!«
In der Gaststube des Buchenkretschams war es ganz still. Nur zwei Männer saßen drin: Hermann Raschdorf, der Buchenbauer, und Julius Schräger, der Wirt. Man hörte, wie am Leimstengel auf dem Fensterbrett die gefangenen Fliegen zitterten. Die Sonne aber, die bei aller vielen Arbeit immer noch Zeit findet, ein wenig Spaß zu treiben, wie alle großen Leute, gestattete sich ein wunderliches Spiel. Sie beleuchtete die großen Schnapsflaschen, die im Schanksims standen, und entlockte ihnen wunderbare Lichter; und wer da genau hinsah auf die flimmernden Flaschenleiber, konnte denken, er sähe lauter große Edelsteine. Da war der Benediktiner, dunkel wie ein Orthoklas, und daneben glänzte die Kirschflasche wie ein riesiger Rubin; der grüne Magenbitter kam sich sicherlich selber vor wie ein märchenhafter Smaragd, und der Eierkognak war so milchig hell und hatte so sanfte Mondscheinreflexe wie ein echter Opal. Der Branntwein aber, von echtem »Wasser und Feuer«, hielt sich ohne übermäßige Bescheidenheit für einen Diamanten. Schade, daß so viele Menschen nicht darauf achten, wenn die Sonne einmal witzig ist. Auch die beiden Männer nicht.
»Die Hauptsache is, Hermann, daß Du mir keine Schuld gibst,« sagte der Wirt.
»Aber Du hast mir doch am meisten zugeredet, daß ich die verfluchten Aktien gekauft hab'!« entgegnete der Buchenbauer.
»Zugeredet, was heißt zugeredet? Hätt' ich Dir zugeredet, wenn ich nich gedacht hätte, die Sache wär' gut, was? Hätt' ich das? Was? Selber hätt' ich welche gekauft, wenn ich damals Geld liegen gehabt hätte.«
»Und ich? Hatt' ich welches liegen? Hatt' ich's? Hab' ich nich 'ne neue Hypothek aufgenommen? Fünftausend Taler, Mensch! Fünftausend Taler! Was das heißen will bei mir!«
Der Gastwirt sprang ärgerlich auf, steckte die Hände in die Hosentaschen und trat ans Fenster.