So schwermütig tickte die Uhr diese ersten Stunden des neuen Jahres herunter. Ein Brief lag auf dem Tische. Aus einer fernen Stadt wünschte ein Zigarrenkaufmann dem Buchenbauer Glück zum neuen Jahr. Sonst hatte niemand eine Karte geschickt.

Ein paarmal versuchte die kranke Frau, ein Gespräch anzufangen. Raschdorf gab ihr zerstreute, widersinnige Antworten. Er starrte immer blinzelnd in das Lampenlicht, und dann las er die Glückwunschkarte des Kaufmanns – dutzendmal.

Von den Kündigungen sagte er nichts.

Auch drüben im Gesindehause war es traurig. Hannes lag auf einer Bank und schlief; sein Vater rauchte Tabak und sah zuweilen schweigend auf den Jungen.

Am Ofen saßen zwei junge Mägde und weinten und wisperten leise. Morgen war Ziehtag; sie kamen nach entfernten Orten und hatten hier im Dorfe ihre Schätze. Da lag das neue Jahr und alle Zukunft trübe vor ihren jungen Augen.

Drüben im Buchenkretscham aber war viel Leben, und der Barbier, der sich betrunken hatte, lärmte von Gericht und Staatsanwalt und sagte, der Raschdorf müsse fort aus der Gemeinde.

Am 2. Januar war Ziehtag. Viele große Wagen rumpelten durchs Dorf, die neuen Knechte und Mägde abzuholen. An diesem »Sterztag« ist es Brauch, daß sich die Dienstleute betrinken. Abschied wird getrunken und neue Freundschaft geschlossen; so mancher, der aus dem Dorfe scheidet, will sich Mut holen im Branntwein und fügt zu dem Heimweh, das ihn am anderen Tage packen wird, noch den physischen Jammer.

Der Gastwirt Schräger machte gute Geschäfte. Er verstand es auch, er war ein »gemeenschaftlicher« Mann, klopfte die Mägde vertraulich auf den Rücken und sprach mit jedem Pferdejungen; dabei horchte er und fragte viel, wußte alles und war stolz, so populär zu sein.

Noch einer zog seine Straße – Mathias Berger, der Lumpenmann. Sein Wägelchen hatte er in einen Schlitten umgewandelt, denn die Wege lagen voll Schnee, und es schneite auch heute sacht.

Bei den beiden Buchenhöfen war er rasch vorbeigefahren. Rechts drüben, wo die Ruinen gähnten, war zu viel, was er liebte, und links drüben, wo das Geschäft blühte, zu viel, was er haßte.