Ich gab Eva den Brief zurück.
„Sie werden nicht glauben, daß ich eine Ahnung von diesen geschäftlichen Dingen gehabt habe“, sagte sie ängstlich.
„Gewiß nicht; ich habe selbst auch davon nichts gewußt.“
Ihre Stirn war finster.
„Es ist schwer für mich, das zu sagen – aber Sie sollen mich nicht falsch beurteilen; es gefällt mir nicht von meinem Vater, daß er von den Neustädtern zu den Waltersburgern übergeht. Er hätte drüben Stange halten müssen – jetzt erst recht!“
„Braves, liebes Mädel!“ dachte ich; doch ich sagte, um sie zu beruhigen:
„Sie sind ja auch zu uns gekommen!“
„Das ist etwas anderes. Ich bin nicht Eva Bunkert, ich bin Hanne vom Forellenhof. Ich schade den Neustädtern nichts. Aber mein Vater – der Gründer von allem! Wenn der übertritt!“
„Fräulein Eva, Ihr Vater ist wohl längst da drüben nicht mehr ganz mit dem Herzen dabei. Seine ursprünglichen Waldheime sind dem öden Hotelbetrieb gewichen. Ich glaube, er mag darunter gelitten haben. Kaltherziger Geschäftskonzern spricht allein in Neustadt. Wenn sich nun Ihrem Vater ein Feld neuer Tätigkeit bietet, das ihn mehr befriedigt, ist es recht von ihm, wenn er zusagt.“
„Sie sind ein lieber Mensch“, sagte sie dankbar, und meine Augen flammten auf, und auf einen Augenblick [pg 214]war es mir, als flöge meine Seele einem seligen Lande zu. Das Herz stockte, der Atem setzte auf Sekunden aus, ein seliger Taumel faßte mich ...