„Ja.“

Irgendein Angestellter kam und meldete, der Direktor sei zur Bahn gefahren.

„Nun, dann warten wir jetzt vergebens auf ihn, Magdalena. Wenn es Ihnen recht ist, gehen wir zusammen nach der Klause und sehen, wie es dort steht. Ich werde schon dafür sorgen, daß Sie die Klause bekommen.“

„Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Doktor, aber ich möchte Ihnen meinetwegen den Weg nicht zumuten.“

„Nicht der Rede wert; ich gehe jetzt sowieso spazieren. Kommen Sie!“

Ich merkte, wie ungern sie mir folgte. Ihr Gesicht war sehr blaß, und ihre Lippen zuckten. Das ehemals so prachtvolle rotblonde Haar war schwarz gefärbt; das veränderte sie am meisten. Aber auch der früher so rosige Teint war verloren; die Haut schimmerte blaß und feucht; die Kinderaugen, die so übermütig blitzen und lachen konnten, hatten wohl ihre wunderbare Schönheit noch, aber sie blickten müde und traurig.

Während wir so gingen, sprach ich über harmlose Dinge, über die Ernte, über Vater Barthel. Sie gab kurze Antworten, blieb immer einen Schritt hinter mir und vermied es, mir ins Gesicht zu schauen. Als wir an den schmalen Pfad kamen, atmete sie ersichtlich auf. Jetzt konnten wir nicht mehr nebeneinander gehen. Sie bestand darauf, daß ich voranschritt.

So kamen wir zur Klause. Hoch ragte das Bild des Erlösers, und ich dachte an jenen kalten Wintertag, da ich grausam zu dieser Frau gewesen war und mir nachher der milde Freund Mariens von Magdala einfiel. Heute wollte ich nicht grausam sein. Diese Frau war so müde, so geschlagen; sie brauchte keine Strafe mehr.

„Magdalena“, sagte ich, „ich habe gehört, daß Sie gern mit unserer kleinen Luise gespielt haben. Das Kind ist viel auf dem Forellenhof. Wird es Ihnen hier nicht fehlen?“

Sie seufzte schwer.