„Du bist maßlos hochmütig und lieblos!“

„Ich handle so, wie es mir mein Herz und meine Vernunft vorschreiben.“

„Berufe dich nicht auf dein Herz“, sagte sie, „du hast keines!“

Und sie ging.

Ich habe in den folgenden Tagen seelisch gelitten. Nicht nur der Mutter wegen, die ich liebe und mit der ich mich so wenig verstehe, sondern auch, weil ich rundum Leute sehe, die sich von der Last ihres Alltagslebens befreit in Ferienruhe des Daseins erfreuen und ich selbst mittendrin stehe im Ichleben, im Familienjammer.

Und da dämmerte mir, daß es gut sei, wenn ich selbst der Liebe fernbliebe, daß ich in freiem, ungestörtem Zölibat meiner großen Idee am besten dienen könne, Herz und Sinne zwar leer von manchem Glück bleiben würden, aber Arm und Fuß frei von jeder auch noch so goldenen Kette, frei zum Vorwärtsschreiten und Handeln.

Zur Mutter ging ich nach drei Tagen. Ich sprach freundlich zu ihr und sagte ihr, daß ich ihre Natur und ihr Handeln ja begriffe und verstände. Sie schüttelte zwar das schöne Köpfchen, aber sie ließ sich von mir küssen, und ich stieg fröhlich den Berg wieder hinan. Ich kann nicht lange traurig sein; mein Herz wendet sich ab vom Kummer, wie eine Pflanze sich abwendet vom sonnenleeren Nordhimmel.


[pg 241]

Die Schlacht bei Waltersburg