„Piesecke“, sagte ich, „das dürfen Sie nicht sagen. Sie haben einen guten Freund. Und das bin ich. Ich will Ihnen das dadurch beweisen, daß ich Ihnen etwas sage, was noch niemand von mir gehört hat. Auch ich, Piesecke, habe die schöne Eva sehr liebgehabt und mir nichts sehnlicher gewünscht, als daß sie meine Frau werde.“
Er starrte mich an.
„Auch Sie, Herr Doktor? Und warum haben Sie die Eva nicht genommen?“
„Weil sie mich nicht will.“
„Sie nicht will?“ wiederholte er verwundert. „Sie will nicht mal Sie, und da soll sie mich wollen?“
Es lag eine rührende Demut in dem Ton, in dem er das sagte.
„Sehen Sie, Piesecke, wenn man jemand wirklich liebhat, darf man nicht an sich selbst denken, soll man nur denken: Werde du glücklich! Es ist etwas Großes und Schönes um das Verzichten! Wir werden es zusammen tragen. Es gibt Frauen, die das Glück oder vielmehr das Unglück haben, daß alle Männer sich in sie verlieben, [pg 280]und gerade das Leben solcher Frauen bleibt oftmals ganz leer. Wir wollen unserer Eva wünschen, daß sie glücklich wird, und wir zwei wollen zusammenhalten.“
Seine leichtsinnigen und doch so grundgutmütigen Augen schauten mich feucht an.
„Ich glaube, daß Sie es gut mit mir meinen, Herr Doktor!“
„Ich habe Sie gern, Piesecke“, sagte ich und legte ihm fest die Hand auf die Schulter.