Ich saß allein in meiner Klause. Ich war in einer Stimmung, die ich nicht kannte. Wie war das, was ich in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebte – war das traurig, war es komisch, war es erbärmlich? Sollte ich lachen, sollte ich zürnen?

Sollte mir das Herz weh tun, weil die blonde Hanne fortzog?

Sollte ich grollen, weil Stefenson dem Direktor und einem Bauern mehr Vertrauen geschenkt hatte als mir, den er seinen Freund nannte?

Sollte ich mich ärgern über den Barthel, weil er profitsüchtig gewesen war?

Es blieb ganz still in mir. Wahrscheinlich waren das alles ganz gute, liebe Leute. Nur das Leben schüttelte die Menschen durcheinander, wie ein Kind die Steinchen schüttelt, die es in ein Säcklein gesammelt hat. Wenn es eine Reibung gibt, was schadet es? Ein Krümlein alter, weicher Heimaterde bröckelt ab, und der Stein schimmert durch, hart und widerstandslustig. Dem Stein aber kann keine Reibung mehr schaden, kann ihn nur glätten.

Alte, weiche Heimaterde, wie du mich umsponnen hattest! Jedes Käferwürmlein konnte an dir zehren! Ich möchte dich ja halten, denn du bist gut und weich, aber das Leben schüttelt zu hart. Doch ich bin getrost, ein gut Teil Krümlein werden mir bleiben, darauf will ich mich heimlich betten, und die glatte Fläche wird nur nach außen sein ... Als am nächsten Morgen die blonde Hanne in mein Zimmer trat, pochte mein Herz nicht rascher, als käme eine Patientin. Wohl war das Mädchen blasser, als ich es je gesehen.

„Sie kommen sich verabschieden, Eva?“

„Ja. In zwei Stunden fährt drüben in Neustadt mein Zug ab.“

Wir schwiegen beide. Plötzlich begann Eva laut und heftig zu weinen. Ich hätte hingehen mögen, um über ihre Stirn zu streichen; aber ich tat es nicht.

„Eva, Sie wissen, daß Stefenson hier ist – daß er die ganze Zeit hier war?“