Ohne Gruß verließ er mich. Ich trat ans Fenster und sah ihn unten über die Wiese gehen. Das war der Mann, dem ich fünf Jahre lang um die ganze Welt nachgereist war. Weil er der Sohn meiner Mutter war. Nun würde ich eine solche Familienaufgabe nicht mehr übernehmen. Ich öffnete nicht einmal das Fenster, um ihm nachzurufen.
Ich setzte mich an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Es ging schwer. Ich war von der Aufregung der letzten Nacht und des Tages ganz benommen. Es fiel mir ein, Joachim werde nun wohl zur Mutter gehen. Aber die wußte ja auch nichts von Katharina, die bei uns Magdalena hieß, hatte keine Ahnung von ihrer Anwesenheit hier im Heim. Es wurde spät. Ich wollte nur noch meine letzte Zigarre ausrauchen, dann schlafen gehen. Wie gleichmütig mich der Abschied des Bruders ließ! Freilich, die Mutter würde wieder sehr mit mir zürnen. Aber ich konnte das nicht ändern. Ich war aller Familiensimpelei müde geworden.
Wie ich noch so still dasaß, hörte ich auf einmal jemand den Korridor entlang eilen.
Die Tür wurde aufgerissen.
Magdalena stand vor mir.
Mit wirrem Haar, in unordentlicher Kleidung. Entsetzt. Verstört.
„Helfen Sie – helfen Sie – sie haben mir das Kind genommen.“
„Was? Was sagst du, Käthe?“
„Das Kind haben sie mir genommen – Luise – o Gott!“
„Wer hat es genommen?“