„Er – Joachim – er ist mit einem fremden Mann gekommen – sie haben das Kind fortgeschleppt – meine Luise – meine Luise!“

Ich wollte die zitternde Frau auf einen Stuhl nötigen.

„Nein, kommen Sie bald – sie haben mich ja in die Kammer eingeschlossen gehabt – eine Stunde ist es wohl schon her, daß sie mit dem Kinde fort sind – ich habe die Kammertür nicht aufgekriegt – kommen Sie schnell – schnell!“

Die Frau schluchzte und zuckte in namenlosem Schmerz. Ich sah alles wie durch einen Schleier. Wie kam Joachim nach der Genovevenklause? Wer hatte ihm den Weg gewiesen?

Plötzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu verraten, daß Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere Mutter wußte, wo das Kind war, fanden sie auch die Frau.

Oh, ich Tor! Ich sah, daß Käthe am Halse rote Striemen hatte.

„Hat er dir etwas getan, Käthe? Hat er dich etwa gar geschlagen?“

„Ich weiß es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind ist fort!“

Sie hatte wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entführt. Der brutale Kerl! Ein wütender Haß gegen ihn schlug in mir auf.

„Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!“