„Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim.“

„Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?“

„Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt.“

„So werde ich gehen; ich verschmähe es, weiter mit dir zusammen zu sein.“

„Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienheim noch einmal zu betreten. Außerdem ist es nach deinem brutalen Verhalten selbstverständlich, daß du als Arzt von uns entlassen bist.“

Er antwortete nicht mehr; er nahm Mantel und Hut und tappte die Treppe hinab. Ich konnte mir zunächst über das, was ich gesprochen hatte, keine klare Rechenschaft geben.

Ich hatte nur ein Gefühl der Erleichterung, hatte mir einmal das Herz abräumen gekonnt.

Jetzt fiel unten die Haustür zu. Ich sah Joachim vom Fenster aus, obwohl eine mondscheinlose Nacht und die Straßenbeleuchtung sehr kümmerlich war. Joachim ging auf den Johannisbrunnen zu. Mit einem Male löste sich dort ein Schatten los. Ich erschrak. Katharina! Sie hielt den Bruder jedenfalls für meine Person. Ich sah, wie die beiden aufeinander zugingen, aufeinander einsprachen, wie das Weib entsetzt die Arme hoch hielt, sich dann vor dem Bruder auf die Knie warf, wie er sie emporriß. Sie klammerte sich fest an seinen Arm; er versuchte sich loszulösen; sie rangen miteinander.

Ich riß das Fenster auf.

„Katharina“, rief ich hinunter, „sei vernünftig!“