Gegen Mittag ließ sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blaß und rang die Händchen ineinander.
„Um Gottes willen, wie konnte das geschehen?“
Ich sah sie streng an.
„Es konnte geschehen, weil ihr so unbarmherzig waret, dieser Frau ihr Kind zu entreißen. Sag mir das eine, Mutter, hast du darum gewußt, daß Joachim in die Klause eindringen wollte?“
„Nein, ich habe ihm bloß gesagt, wo das Kind ist, und dann nichts erfahren, bis er Luise brachte.“
„Das ist mir lieb. Und wo ist Luise jetzt?“
„Ich – ich habe sie nach Neustadt gebracht zu einer Freundin von mir. Wir wollten keinen Skandal in Waltersburg oder bei dir hier oben. Joachim wollte auch bald am Morgen fort.“
Ich dachte daran, wie sicher der mütterliche Instinkt die unglückliche Katharina geleitet hatte. Auf dem Wege nach Neustadt war sie zusammengebrochen.
„Was wird nun werden?“ fragte die Mutter. „Wie steht es?“
„Es steht sehr schlecht. Du kannst deinem Sohne Joachim sagen oder schreiben, daß sein sehnlichster Wunsch, diese Frau möge sterben, wahrscheinlich in Erfüllung gehen wird. Er mag sich einstweilen freuen.“