„Ich habe diesmal nichts drin“, sagte Stefenson und wies auf die Zeitung. Trotzdem schlug er sie auf. Und mit einem Male riß er die Augen auf, trat ans Fenster.

„Haben Sie schon – haben Sie schon gelesen?“ fragte er aufgeregt.

„Was denn? Was steht denn wieder in dem Schundblatt? Ich habe noch gar nicht hineingeschaut.“

„Da – da ...“

Er wies auf eine kleine Notiz. Ich las:

„Verlobung. Die Opernsängerin Eva Bunkert, Tochter unseres verflossenen Baurats August Bunkert, hat sich mit dem Grafen Hanns von Simmern, Sohn des herzoglichen Kammerherrn Grafen Eugen von Simmern, verlobt. – Eine rasche Künstlerkarriere!“

„Da haben wir’s“, sagte ich. „Die Sache ist in der Tat sehr rasch gegangen.“

„Rasch gegangen! Ist das alles, was Sie zu dieser Schandtat zu sagen wissen?“ brüllte Stefenson.

„Ja, was soll ich in meiner Überraschung dazu sagen? Es tut mir natürlich leid um Sie!“

„Leid! Ich brauche Ihnen nicht leid zu tun. Niemand brauche ich leid zu tun. Ich verbitte mir das! Denn ich kann froh sein, daß ich diese Gans los bin. Ich bin auch ganz kolossal froh. Nach kaum vier Wochen ist dieses flatterige Ding mit ihrer Lebenswahl fertig. Von einem zum andern. Immer zu, immer zu! Was verliere ich dabei? Weil er ein Graf ist, weil sie sich bei ihm in Taschentücher mit einer neunzackigen Krone die Nase schneuzen kann, deshalb gibt sie mich auf. Einen Mann wie mich, der diese bankerotte Bauratstochter gegen alle Vernunftgründe geliebt hat und sie heiraten wollte, gibt sie auf!“