„Gewiß – gewiß!“
Er versank wieder in tiefe Traurigkeit.
„Vor vier Tagen habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe sie gebeten, sie möge doch von ihrem Groll ablassen. Wenn sie es schon nicht einsehen wolle, daß ein Mann, der sein ganzes Lebensschicksal an eine Frau ketten wolle, zu deren gründlichster Prüfung berechtigt sei, so solle sie halt denken, daß es mir doch auch Spaß gemacht habe, mal in den Ferien vom Ich eine unerkannte Rolle zu spielen, und daß ich doch eigentlich als Knecht Ignaz um sie gedient habe wie Jakob um die geliebte Rahel. Sehen Sie, von diesem Brief glaubte ich, er sei eigentlich zu deutsch, zu sentimental. Aber es war mir so ums Herz, und so schickte ich ihn ab. Der Brief wird gerade zu ihrer Verlobung zurechtgekommen sein.“
Es schüttelte ihn vor Schmerz und Zorn.
Der Fuchs und die Sibylle
Es war Abend, als ich am Grundhof vorbeischlich und mich an der Reihe windbrüchiger Weiden, die am alten Waltersburger Weg stehen, hinab zum Hause der Sibylle schlängelte. Das kleine Anwesen sah schäbig und unordentlich aus. Die Tür stieß einen grämlichen Quieker aus, als ich eintrat. Der Hausflur war finster, aber in dem daranstoßenden Zimmer, dessen Fenster mit buntem Kattun verhängt waren, brannte eine kleine Lampe. Die „Sibylle“ erhob sich und kam mir entgegen. Mit krummem Rücken, auf einen Stock gestützt, hob sie ihr verrunzeltes Gesicht, das in dem trüben Lichte der kleinen Lampe ganz gespenstisch aussah, zu mir empor.
„Wird er kommen?“ fragte sie.
„Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es; denn ich habe es ihm kräftig eingeredet. Ich gehe einstweilen in die Nebenstube und passe auf. Halten Sie sich genau an unsere Abmachungen.“