„Jawohl!“ nickte das Weib.
Ich mußte eine Stunde lang warten und gab den Plan, den ich gefaßt hatte, beinahe auf. Noch zweimal [pg 356]hatte Stefenson heute von der Wahrsagerin angefangen, und ich hatte ihm einige sehr merkwürdige Fälle erzählt, in denen die Voraussagungen der Sibylle in verblüffender Weise eingetroffen waren. Nun kam er doch nicht. Schon wollte ich meinen Lauscherposten verlassen, da sah ich den alten Fuchs um die Wegkrümmung treten und vorsichtig umherspähen.
„Er kommt!“ sagte ich zu der Sibylle durch die Tür. „Nun machen Sie Ihre Sache gut.“
Fünf Minuten später hörte ich nebenan Stefenson eintreten.
„Guten Abend“, sagte er etwas verlegen. „Ich komme mal zu Ihnen. Sie brauchen sich deswegen nicht etwa einzubilden, daß ich auf Ihren Quatsch etwas gebe; aber ich habe von Ihnen gehört, und da will ich mal einen Versuch machen – der Wissenschaft halber, verstehen Sie?“
Die Sibylle rührte sich nicht. Sie sah greulich aus. Die Gestalt war in ein geflicktes Umschlagetuch gehüllt, vor Stirn und Augen hatte sie einen grünen Lichtschirm, über dem der graue Scheitel struppig herausragte. Das alte Weib betrachtete ihre ausgebreiteten schmutzigen Karten und sagte kein Wort.
„Nun?“ mahnte Stefenson ungeduldig.
Keine Antwort.
„Ja, wollen Sie nun gefälligst mit mir sprechen?“ brauste der Amerikaner auf.
„Scheren Sie sich hinaus!“ krächzte die Alte.