Ich griff wieder ein.
„Die ‚Neustädter Umschau‘ war die zweite Wolfsgrube, in die Sie glitten, verehrter Fuchs, oder vielmehr die erste. Denn die Notiz habe ich geschrieben, habe sie in die ‚Umschau‘ lanciert, aber nicht etwa in die ganze Auflage, sondern nur in die beiden Exemplare, die bei Ihnen und bei mir abgegeben werden. Da ist eben für diese zwei Nummern im Satzspiegel eine kleine Änderung gemacht worden.“
„So ist wohl alles gar nicht wahr?“
„Nein, es ist nicht wahr“, sagte Eva und wurde in dem Maße röter, als Stefenson bleicher wurde. Ich fürchtete mit einem Male, der Scherz könne noch schief ausgehen, und sagte deshalb:
„Nanu, Stefenson, spielen Sie bitte nicht etwa die gekränkte Unschuld. Da wären Sie gerade der Rechte dazu. Was haben Sie uns genarrt! Mit der Ignazgeschichte und mit Ihren Umschau-Artikeln, auch als Journalist Brown. Ihr Sündenregister ist in dieser Hinsicht so groß, daß unsere kleine List eine äußerst gelinde Strafe ist.“
„Und – und der Graf Simmern – und der herzogliche Kammerherr?“
„Himmel, Stefenson, sind Sie heute schwer von Begriffen, diese Simmerns existieren doch gar nicht.“
„Ah – so ist das gewesen? Die Anzeige war gefälscht, und die Wahrsagerin waren Sie selbst. – Es – es ist ja sehr witzig! Gnädiges Fräulein, Sie haben die alte Sibylle ausgezeichnet gemimt. Ich glaube, Sie sind eine große Schauspielerin.“
Es war mir, als ob in Evas Augen eine geheime Angst träte. Ich sagte:
„Nun sehen Sie, ob ein Mister Stefenson in den Ferien vom Ich in die Tracht eines Bauernknechtes kriecht oder ob eine Opernsängerin mal in das Habit einer Wahrsagerin schlüpft, bleibt sich ganz gleich. Das ist doch selbstverständlich.“