„Sie wollen das Heim doch mit mir gründen?“

„Ja“, sagte er ganz ruhig, „ich will. Es hat mir was an Ihrer Geschichte gefallen. Natürlich nicht das Senti[pg 76]mentale, aber daß sie fünf Jahre lang die Jagd machten, das zeugt doch von einer gewissen Ausdauer. Und Ausdauer ist zu gebrauchen.“

*

Ich bin wieder im stillen Waltersburg. Berlin N liegt hinter mir wie ein wüster Traum. Welch Gegensatz! Die kleine Luise ist gut untergebracht.

Stefenson hat mir gestern schriftlich mitgeteilt, daß er mich für keinen Philosophen halte, auch nicht für das, was man einen lebensklugen Menschen nenne, und was ich als Arzt tauge, könne er nicht beurteilen. Er halte mich für einen Dichter. Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem als vielmehr eine Dichtung. Aber Dichtung sei besser als Problem. Dichtung ist etwas Gezeugtes, Probleme sind etwas Konstruiertes, Dichtung ist Lebewesen, Problem ist Mechanik. Und so solle ich nur jetzt meine Dichtung ganz ausgestalten und ihm vertrauensvoll übergeben. Was ausführbar sei, werde ausgeführt werden, das andere werde als blauer Dampf in die Höhe ziehen und auch als Wölklein am Himmel noch schön sein.


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In den Tagen des Werdens

Beschaulichen und nachdenksamen Charakters ist Herr Stefenson nicht. Es geht alles so verblüffend schnell bei ihm, daß er, wenn ein anderer noch bei den ersten Erwägungen und Bedenken stände, schon am Ende ist. Freilich kommt dazu, daß er Glück hat. Das Gelände am Ostabhang des Weihnachtsberges steht zum Verkauf. Es gehört einem Manne, der, wie Hans im Glück, ständig seinen Besitz vertauschte. Dieses Gut hat er gegen große, sehr ertragreiche Steinbrüche umgetauscht, die Steinbrüche gegen eine Fabrik, die noch besser war, und so ist es langsam bergab gegangen, und Herr Stefenson mit seinem großen Geldbeutel hat wenig Schwierigkeiten gefunden. Achtundvierzig Stunden haben die Verhandlungen gedauert, dann war das Gut, das mit Wiese und Wald 2500 Hektar groß ist, von Stefenson gekauft. Um einen Preis, bei dessen Nennung einem früheren Schiffsarzt die Gänsehaut ankommt.

„Nun ist das Gelände da, nun muß die Gemeinde errichtet werden“, sagte Stefenson sehr einfach. „In einem Jahre müssen sämtliche Häuser stehen.“