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Die Zeichnungen, der Aufbau meines großen Ferienheims nahmen mich fortan ganz in Anspruch. Ich kann sagen, es waren reine Glückstage, Tage voll Fruchtbar[pg 091]keit, Hoffnung, Kraftgefühl. Und doch stahl sich Luises Bild bei Tag und Nacht in meine Seele. So sagte ich mir eines Morgens, an drei verlorenen Arbeitstagen läge nicht viel, Stefenson säße sicher weit unten in Palermo oder Syrakus, und sehr bald nach diesen Erwägungen saß ich in einem Schnellzuge nach Thüringen.

Ich hatte die Freude, daß mir Luise vertrauensvoll und dankbar entgegenkam, und daß sie sich schüchtern an mich schmiegte, als ich sie auf die Stirn küßte.

Die würdige Vorsteherin des Pensionats sagte, es sei ja wohl noch zu kurze Zeit, als daß das Kind sich schon in ihm völlig fremde Kultur ganz hätte fügen können; aber Luise zeige so gute körperliche und geistige Anlagen, daß sie hoffe, das Kind würde mir recht bald Freude bereiten. Die Anstalt lag an der Promenade der hübschen thüringischen Stadt. Als ich das Haus verließ, saß gegenüber dem Eingang auf einer Ruhebank Mister Stefenson. Es blieb mir gar keine Zeit, mich groß zu erstaunen, sondern er trat mir gleich entgegen und sagte mürrisch:

„Ich finde das sehr merkwürdig von Ihnen, daß Sie auch jetzt noch Zeit zu solchen Exkursionen haben.“ „Ach, Mister Stefenson“, entgegnete ich heiter, „ich dachte, Sie wären Ihrerseits noch auf Ihrer Exkursion nach Sizilien.“

„Sticheln Sie nicht“, entgegnete er finster; „ich bin nicht nach Sizilien gefahren zum Amüsement oder um einem kleinen Gänschen nachzureisen, sondern um in aller Ruhe die Pläne für unser Ferienheim machen zu können. Wenn ich nun Pech gehabt habe mit den drei [pg 92]Plänen, die ich gemacht habe, weil ich den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt und den dritten in Luzern überhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte ich doch gehofft, Sie würden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu bleiben und zu arbeiten.“

„Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig.“

„Ah – das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?“

„Was er kostet, wie er balanciert, weiß ich nicht. Das ist nicht meine Sache. Ich bin kein Kaufmann. Wofür sind Sie da?“

„Fürs Geldgeben!“