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Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, daß ich ein reines Glück im Herzen fühlte, als ich unser Ferienheim so fabelhaft schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrückten mich oft, und wenn ich sie abends in ihren großen Baracken lachen und lärmen hörte, dachte ich daran, wie schön es war, als noch die stillen Raine durch grüne Felder liefen. Überall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich fühlte mich auf diesen Bauplätzen außerordentlich unbehaglich, und wenn ein schöner Baum zum Opfer fallen muß, bereitet es mir Schmerz, als ob einem unschuldigen Freund ein großes Unrecht geschähe.
Für den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein Haus immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich glaube, ich sehe alles zu schön; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, wie ich es träume. Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. Erst, wenn „aufgeräumt“ sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu gefallen.
Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft werden.
Joachim
Anfang des Monats bekam ich folgende Depesche: „Treffe drei Uhr fünfzig nachmittags Bahnhof Neustadt ein. Bruder Joachim.“ Das Telegramm war frühmorgens in Berlin aufgegeben.
Erst langsam begriff ich, daß da etwas Wunderliches geschah, daß mein verschollener Bruder plötzlich heimkehrte. Da quoll es mir heiß durchs Herz, und ich wollte zur Mutter gehen und ihr das Wunder erzählen. Aber ich ging zuerst zu Stefenson. Er las das Telegramm und sagte gleichgültig:
„Na also, da holen Sie nur Ihren Bruder von der Bahn ab.“