Und Stefenson – ach, Stefenson betrachtete das Mädchen mit unverhohlenem Wohlgefallen. Er sagte mir hinterher, sie sei „sein Typ“. Groß, schlank, blond, übermütig. Da gehe er halt auch mal aus sich ’raus.
Er ging sehr aus sich heraus. Diese Eva Bunkert war eine Eva in des Wortes wahrster Bedeutung, mit allen Künsten, Listen und Teufeleien des Weibervolks ausgestattet. Sie machte die tollsten Anstürme auf den biederen Stefenson. Damals, sagte sie, als er die Neustädter mit den Zeitungsartikeln hineingelegt habe, habe sie auf die Gefahr hin, in ihrer Vaterstadt gelyncht zu werden, gesagt: dieser Mann sei zum Küssen. (Bei diesen Worten schlug Stefenson die Augen nieder und zog seinen dünnen Mund gewaltig in die Breite.) Daß er, Stefenson, in einer so öden Spießergegend, wie Waltersburg und Neustadt, einen so grandiosen Ulk wie dieses Ferienheim inszeniere, sei vielleicht der beste Witz der Weltgeschichte. Sie denke sich unser Heim als eine immerwährende Maskerade, als einen Bauernball ohne Ende, als einen Fasching ad infinitum.
Und diese schweren Beleidigungen unserer großen erhabenen Idee ließ Stefenson über sich ergehen, zuckte [pg 156]kaum manchmal die Schultern, und er lächelte ... der Verräter.
„Meine Gnädige“, warf ich dazwischen, „Sie dürften über unser Ferienheim denn doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst.“
„Ja, gerade, daß Sie es ernst meinen, ist ja das Gute“, erwiderte sie. „Ein Witz, der nicht ernst gemeint ist, ist gar kein Witz.“
„Das ist eine sehr kluge Sentenz“, stimmte der verräterische Stefenson bei. Ich war empört. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste, blieb an der Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott das Weib erschuf, hat sich der Teufel sicher gefreut.
Aber neben mir die kleine braune Anneliese gefiel mir doch sehr gut. Sie war freundlich, es lag viel Güte auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch in ihren großen Augen das schöne Lichtlein harmlosen Schalks. Während Stefenson und Eva Bunkert eine lärmende, von vielem Gelächter unterbrochene Unterhaltung führten, sprach ich leise mit Anneliese von ihrem und meinem Leben, und es kam ein stilles Behagen über mich in der schlichten Bauernstube.
„Sie meinen es wohl gut mit diesem Ehepaare Barthel?“ fragte ich.
„Es sind sehr ehrliche und auch ganz lustige Leute.“
„Glauben Sie, daß es recht wäre, wenn wir sie für uns gewinnen?“