Malte stand draußen am Wagen und wartete, daß der Zug abfahre. Er grüßte, als sich die Räder in Bewegung setzten; von innen kam kein Dank. Sie arbeiteten wohl schon wieder.

Er ließ sich von Telge nach dem Treßhof fahren, Mellin mußte im Beratungzimmer das Licht andrehen. Dort saß er lange und erwog. Aber seltsam! Immer wieder fand er seinen Blick auf jenem Bild der Treppenbrüstung: wie der bärtige Mann, dessen Hand den gefüllten Geldbeutel umspannt, dem Meister den verräterischen Kuß darbietet. Was hatte das alte Bild zu schaffen mit den Vorgängen dieser wilden Zeit? Er wußte es nicht, er wollte dem nicht nachdenken, und doch trat es ihm aufdringlich nahe.

Und noch eins. Er sah Jörg vor sich, wie er nach dem Spiel in St. Niklas in jenem Zimmer des Hauses am Markt stand, innerlich in Begeisterung erglühend, sein Gesicht besonnt: Wir sind doch die Könige!

Er hatte bei sich gedacht: Welchen unbändigen Stolz trägt doch der arme Wicht! Wir königlichen Kaufleute und dieser Tastenschläger! Jetzt beneidete er ihn. Ihm war, als dürfe er das Recht des königlichen Menschen heute nicht für sich in Anspruch nehmen. Seufzend erhob er sich und verließ das Haus. —

In Fraukes Zimmer fand er Klaus, der eine Mappe mit Stichen mitgebracht hatte, die Blätter ausbreitete und einige Feinheiten erläuterte. Malte stellte sich hinter ihn und hörte zu. Er wußte, daß Frauke, die den Vetter wegen seiner Sucht, sich etwas stutzerhaft zu kleiden, verspottete und ihn leicht als einen gutmütigen Hausnarren behandelte, in Kunstfragen sein Urteil gelten ließ.

Plötzlich sah Frauke zu Malte auf. »Weißt du schon, daß Klaus uns verlassen will?« fragte sie.

Klaus legte die Stiche zusammen. Es war ihm sichtlich peinlich, daß Malte ihn so verwundert betrachtete.

»Er will heiraten«, fügte Frauke hinzu.

Güldenfey? dachte Malte. Hat er mit ihr gesprochen? Hat sie sich vielleicht in Rücksicht auf mich bereit erklärt? Er fühlte ein lebhaftes Bedauern.

»Er hat eine kleine Witwe gefunden, die ihn bezaubert«, fuhr Frauke fort.