Plötzlich griff Harro nach seinem Hut. »Du willst also nicht?«

Es war etwas in des Bruders Gesicht, das Malte erschreckte, eine Entschlossenheit, die vor dem Letzten nicht haltmachte. War er denn so benommen gewesen, daß er über die Ängste fortsehen konnte, die in Harros Seele ihre Zähne gruben? Er sah den kleinen Jungen vor sich, mit dem er den Ball geworfen hatte. Er hob die Hand. »Ich will dich nicht in Unehre kommen lassen, Harro«, sagte er. »Aber versprich mir: Nie wieder! Setz' dich hin! Wir wollen überlegen, was sich tun läßt.«

Als Harro gegangen war, trat Häberle ein und berichtete. Die Tretmühle drehte sich, aber Malte mußte sich heute anstrengen, die Gedanken bei der Sache festzuhalten. Nein, Harros Angelegenheit ließ sie nicht mehr unruhig flattern. Aber immer aufs neue verloren sie sich in dem Grübeln darüber, wie es möglich sei, daß er über diesem Täglichen die Empfindungen für den Bruder verloren hatte. Er sah sich im Spiegel, und sein Wesen erschien ihm sonderbar verändert.

»Noch etwas, Herr Häberle?« fragte er, als dieser seine Schriftstücke in die Mappe tat und zögernd stehenblieb.

»Ja, Herr Konsul, sie war wieder hier.«

Malte sann nach.

»Die Frau Jobst. Sie hat abermals gefragt, wann sie vorgelassen werden könnte.«

»Ich bin für die Frau nicht zu sprechen. Auf keinen Fall!«

»Sie will wiederkommen.«

»Verbieten Sie ihr das Haus. Entfernen Sie sie, drohen Sie ihr mit der Polizei!«