»Sie haben das Recht darauf verwirkt.«

»Man hat mir das bereits gesagt. Ich suche auch bei Ihnen nicht mein Recht, aber vielleicht geben Sie der Notleidenden, was Sie der Frau Ihres Vaters ...« Sie verstummte vor der heftigen Gebärde Maltes.

»Davon kein Wort, bitte, wenn Sie nicht wollen, daß dies Gespräch sofort beendet sein soll«, rief er.

»Der Haß sitzt sehr tief bei den Treß,« sagte sie; »so tief, daß sie selbst unumstößliche Tatsachen tilgen könnten.«

Malte zog ein Schubfach auf und entnahm ihm eine Brieftasche.

»Lassen Sie das!« sagte sie rauh. »Ich will kein Almosen! Ich erwarte von Ihrem Gerechtigkeitgefühl, daß Sie mir das zubilligen, was Ihr Vater zu geben für nötig fand.«

Malte wollte etwas entgegnen, doch er hielt an sich. Er mochte die letzten Worte seines Vaters vor ihr nicht preisgeben.

Die Frau lockerte ihr Schultertuch und zog eine Rolle von Papieren hervor. »Ich lasse auch nicht mit mir handeln«, fuhr sie fort. »Ich weiß, Sie haben mich gehaßt von dem Augenblick an, da ich den Treßhof betrat. Ich habe es dem Jungen, der das Andenken an seine tote Mutter damit zu ehren glaubte, nicht verdacht. Damit Sie aber jetzt verstehen, wie alles kam, wollte ich es Ihnen erzählen. O, ich weiß, Sie haben für dergleichen Dinge keine Zeit, deshalb hab' ich hier den Hergang aufgeschrieben. In den kommenden Feiertagen werden Sie Zeit zu lesen finden. Am Tage nach Ostern hole ich mir die Schrift ab und erwarte Ihren Bescheid.« Sie legte die Rolle auf seinen Schreibtisch und zog das Tuch um die Schulter.

»Bemühen Sie sich nicht,« sagte Malte; »ich habe andres zu tun, und vorlassen werde ich Sie nicht wieder.«

»Sie werden lesen und Sie werden sich sprechen lassen«, sagte sie bestimmt. »Glauben Sie mir, wer so weit in das Elend kam wie ich, dem ist es gleich, wenn er nach tagelangem Warten auf dem Pflaster umfällt.« Sie grüßte mit einer hastigen Kopfbewegung und ging.