Entrüstet lehnte ich ab und erregte den Vater, der ohnehin getrunken hatte. Er befahl, ich widersprach. Er wurde maßlos heftig, und nun sagte er es: er habe mit meiner Heirat ein gutes Geschäft gemacht.
Der Gedanke, verkauft zu sein, weckte in mir Ekel und Abscheu, Ekel vor dem Verkäufer, Abscheu gegen den Mann, der es gewagt hatte, mir eine Kaufehe zuzumuten. Ich stand auf und bestellte selbst den Kutscher, daß er anspanne. Ich wollte in die nächste Stadt und in einem Gasthause die Nacht zubringen.
Als ich dort eintraf und dem Kellner meinen Auftrag gab, erblickte ich durch die Spalte einer halbgeöffneten Tür den Baron Usfeldt, der dort einsam bei der Flasche saß. Ich wich zurück, doch er hatte meine Stimme erkannt und stand plötzlich neben mir.
»Bekomme ich keine Hand?« fragte er.
»Rühren Sie mich nicht an, Muck!« sagte ich. »Ich weiß jetzt, daß ich verhandelt bin.«
»Ich weiß es lange und habe Sie darum nicht einen Augenblick lang geringer geachtet«, erwiderte er. »Nehmen Sie, wenn Sie durchaus einen Sündenbock brauchen, mit mir vorlieb, Tessi; denn hätte ich Mut genug besessen, trotz meiner verzweifelten Lage um Sie anzuhalten, so wäre dies alles nicht über Sie gekommen.«
Er führte mich an seinen Tisch und schloß die Tür. Ich war wie betäubt, hatte nur den Wunsch, mich mit einem Menschen, der mich verstand, aussprechen zu können und bedachte nichts. Nein, ich hätte es nicht tun sollen; aber was weiß ein ungeschultes Herz in solchen Stunden! An jenem späten Abend lernte ich das erstemal die alle Not betäubende Wohltat des Rausches kennen.
Das Gerücht traf vor mir im Treßhof ein. Wäre ich reuig gewesen, was in diesem Falle klug heißt, vielleicht daß sich alles anders gewendet hätte. Aber ich wollte nicht. Mein Stolz forderte das ganze Leben heraus.
Ich ging nach Westdeutschland; eine Freundin hatte mich, während meine Ehe geschieden wurde, zu sich eingeladen. Ich blieb dort kaum so lange, bis die Trennung ausgesprochen war. Ihres Gatten Blicke gingen mir oft sonderbar nach, ich duldete das. Ich duldete auch, daß er mich zur Vertrauten seiner Nöte machte: er war nicht glücklich.
Am nächsten Tage reiste ich ab.