Das sage ich, Therese Jobst, Frau des schwindsüchtigen Monteurs Jobst, verehelicht gewesene Frau Treß, geborene Freiin Horn, die durch alle Schichten des Lebens ging und keine, keine sah, die Erlösung bot.

Während des Krieges trug ich Zeitungen aus, half in Hausständen, flickte, nahm an, was sich fand. Dabei lernte ich meinen Mann kennen, als er auf Urlaub heimkam. Er war ein edler Mensch. Als er mir die Ehe mit ihm antrug, war ich gewiß, daß er es nicht seinetwegen tat, sondern um mir zu helfen. Was hätte er sonst an mir gefunden! Solche, die ihm Kartoffeln kochten und das Arbeitzeug flickten, hätte er in Menge haben können.

Ich schenkte ihm ein Mädchen, und dies Kind wird, wenn er längst nicht mehr ist, für mich die Erinnerung an die schönste Zeit meines Lebens sein.

Nun habe ich ausgesprochen, wie alles wurde. Vielleicht sind Lücken da, daß nicht jeder alles versteht, aber das ist nicht schade. Wer noch Ohren hat zu hören, der wird mich verstehen und auch das Leben dieser Zeit, von dem ich nur ein winziges Bruchstück bin. — —


Kling! sagte die Glocke der alten Uhr. Der Arm des Mannes, der die Hippe trug, fiel herab und hob sich wieder. Es war ein Uhr.

Malte faltete die Bogen zusammen und lehnte sich in den Stuhl zurück. Durch die Osternacht ging ein Wind aus West, der strich hörbar an den Scheiben vorüber. Malte legte die Hand über die Augen, die vom Lesen brannten und das blendende Licht nicht vertrugen.

Was nun? Es war etwas in diesen Zeilen, das an sein Herz griff: ein Mensch, der redlich gerungen und in harter Fron seine Fehler und Schwächen gesühnt hat. Was sie hier geschrieben, war wohl ein echtes Bekenntnis, das keine Pose entstellte. Aber sie war nun einmal das Skelett im Hause, und das durfte man nicht durch Verbindlichkeiten an sich fesseln.

Und noch eins: das väterliche Gebot! Wie war es doch gewesen?

In den letzten Tagen vor seinem Ende hatte ihn der Vater zu sich beschieden. Alle andern hatten das Zimmer verlassen müssen, auch Güldenfey, die er sonst nicht von seiner Seite ließ. Irgendeine dringliche geschäftliche Verfügung! hatte Malte gedacht; doch es kam nichts von Geschäften.