»Pastor Thomasius wird heut nachmittag kommen, Malte, du weißt! Was ich ihm nicht sagen kann, will ich dir, meinem Ältesten und Nachfolger, beichten. Ich habe gegen euch und eure liebe Mutter ein schweres Unrecht begangen, als ich so bald nach ihrem Tode diese — Person in das Treßhaus führte.«
»Es ist ja alles gut geworden, Vater,« hatte Malte gesagt; »du hast darunter genug gelitten und gesühnt.«
»Gelitten, ja; ob gesühnt, das weiß ich nicht. Es quält mich jetzt wieder stündlich. Wie konnte ich als ein reifer Mann einen so unbegreiflichen Schritt tun! Ich suche meiner Kinder Verzeihung, mein Sohn!«
Malte hatte die unruhigen Hände gefaßt und ihm trostreich zugesprochen, doch der Vater war danach nicht ruhiger geworden.
»Versprich mir noch eins!« hatte er weiter gesagt. »Ich mußte die Folgen meines Leichtsinns tragen, aber mit mir soll es begraben sein; ich will nicht, daß ihr noch darunter leidet. Wenn jemals jene Frau wieder auftauchen, sich an euch drängen sollte — versprich mir, daß du nichts tust, was die Erinnerung an jene schmachvollen Tage wieder weckt. Laß tot sein, vertilge alles, was unsern Namen verunehrte.«
Es war ein heftiges Flackern in den Augen des Sterbenden gewesen, das war mehr als Selbstanklage, das war Haß. Sein war die Leichtfertigkeit, die ein unfertiges Mädchen zur Gattin wählte, aber jene hatte den ihr angetragenen alten Namen durch den Schmutz geschleift. Sie hatte recht: der Haß saß tief in den Treß. Weh dem, der ihn weckte!
Malte hatte in jener Stunde dem Vater alles gelobt, was er verlangte. Er verstand ihn so gut. Nun aber saß er hier, ein Richter, in dessen Brust die Ehrfurcht vor dem, was er versprochen, sich mühsam gegen die Menschlichkeit behauptete. Was sollte er tun? —
Als am ersten Werktag nach dem Fest das Nötige mit dem Prokuristen besprochen war, sagte Malte: »Herr Häberle, es könnte sein, daß jene Frau wiederkommt, die uns seit Tagen belagert.«
»Sie steht schon draußen vor der Tür, Herr Konsul.«
Schon? Sie war seiner sehr sicher, nachdem er sich einmal nachgiebig gezeigt hatte. »So lassen Sie sie eintreten.«