»Das ist unmöglich«, sagte sie. »Mein Mann ist schwer krank, und ich verlasse ihn nicht. Und selbst wenn das nicht wäre — wer nimmt uns denn auf? Jeder ist froh, wenn er einen Raum hat, wo er bleiben kann. Wenn ich ginge — jedes Wohnungsamt ist imstande, meinen leidenden Mann auf der Straße umkommen zu lassen.«

Malte zuckte die Schultern: »Das ist das, auf das es mir eben ankommt.«

»Sie wissen genau, daß Sie Unmögliches fordern«, sagte sie. »Sie lassen mir die Wahl zwischen dem Hungertod und dem Tod im Gassenwinkel. Was soll ich tun? Wenn ich allein stände, gäbe es für mich kein Besinnen. Ich bin ja auch nur in diese verwünschte Stadt zurückgekommen, weil es für meinen Mann einst keine andre Verdienstmöglichkeit gab.«

Ihre Stimme zitterte unter Tränen. Malte sah verlegen vor sich nieder. Er wußte, daß diese Forderung ihr Pein bereiten mußte. Dennoch wollte er darauf bestehen. Es galt, sie dem Gesichtskreis der Seinen ein für allemal zu entrücken.

»Ich würde mich für Ihr Unterkommen an einem entfernt gelegenen Ort verwenden«, wandte er ein.

»Vor dem Wesen oder Unwesen von heute gilt das Wort des Konsuls Treß nichts mehr«, entgegnete sie schneidend. »Und wenn es etwas gälte — ich kann einem, der nicht fern vor der letzten Reise steht, keinen Umzug zumuten. Oder geben Sie mir — bis dahin Frist?«

»Sie müßten sofort gehen. Verstehen Sie mich: Sie allein!«

Sie stand unschlüssig im Widerstreit der Gedanken. Plötzlich ging es wie ein Aufzucken durch ihren Körper. Sie trat auf ihn zu. »Geben Sie mir meinen Brief!« sagte sie hart.

Malte blickte sie erstaunt an.

»Geben Sie mir den Brief wieder! Ich sehe, es ist vergeblich. Vielleicht findet er auf einer Behörde mehr Verständnis als bei Ihnen. Oder ich stehe morgen mit ihm an der Rathaustür, um zu betteln. Es lohnt nicht, zu verhandeln, während Menschen Hungers sterben.«