Dann, ehe die Treßkinder sich ihres Erstaunens bewußt wurden, war sie verschwunden.

Der vergessene Garten

»Ose, ach, Ose!«

Die Alte stand unter leeren irdenen Töpfen und Glashäfen und bedachte, wie geringe Vorräte man in dieser Zeit habe und wie wenig im kommenden Sommer eingemacht werden könne. Da trat Güldenfey ein. Ose hörte es im Schwingen der hohen Stimme, sie sah es an der Röte auf des Kindes Wangen: es mußte Außerordentliches geschehen sein. Sie winkte gegen den Hinterraum der Kammer zu, wo ein Mädchen hantierte, band die Schürze ab und verließ mit Güldenfey den Vorratsraum.

»Was ist geschehen?« fragte sie.

Aber Güldenfey führte sie in ihr Zimmer und schloß hinter sich die Tür. »Die Frau!« sagte sie. »Ich traf sie bei Malte. Sie wollte etwas Schlimmes sagen, aber ich bat sie, es nicht zu tun.«

»Es geht ihr nicht gut«, murmelte Ose erschrocken.

»Und nun will ich wissen: Wer ist sie?«

Ose kniff die Lippen zusammen. Die kleine, sanftmütige, stets bittende Güldenfey, wie selbstbewußt und fast zornig stand sie da!

»Dein Bruder Malte kam aus deines Vaters Sterbezimmer zu mir«, sagte Ose. »Da hab' ich's ihm hoch und heilig versprechen müssen, daß ich es dir nie sagen werde.«