»O du Liebe, Süße!« sagte Güldenfey. Sie hatte den Stein an ihrem Mund und küßte ihn andächtig.

»Du hast ihr Wesen geerbt und Jörg ihre Musik. Beide habt ihr das Beste von ihr. Ich sage dir, sie konnte singen! Nicht so laut und mit verzerrtem Gesicht wie die Frauen, die sich am Flügel aufstellen und tun, als wollten sie auf der Stelle sterben, sondern leise und lächelnd. Und immer ganz seltsame Melodien. Als sie Jörg trug, hab' ich nebenan beim Wäscheordnen oft lange stillgestanden und ihr zugehört. Mir wurde dann ganz sehnsüchtig um das Herz.«

»Und Harro und Malte? Haben die nichts von ihr?«

»Die sind Tresse, Kind! Harro ist Soldat, Seefahrer wie der Oberst bei den Gyllenstiernaschen Söldnern.«

»Und Malte?«

»Ja, Malte!« Ose zuckte die Schultern.

In diesem Augenblick fiel es Güldenfey ein, wie sie ihn unter dem alten Bild von Balzer Treß gesehen, wie sein schönes blasses Gesicht Zug um Zug dem des Ahnen geglichen hatte. »Malte ist Balzer, dessen Bild unten hängt!« rief sie.

»Der fliegende Holländer? Gott bewahr' uns, Kind!«

Güldenfey richtete sich auf. »Der fliegende Holländer? Heißt er so? Was ist's mit ihm?«

Der Alten Lippen wurden schmal und herbe, als müßten sie etwas verschließen. »Nichts ist mit ihm. Ich weiß nichts!«