Einkaufen, vieles einkaufen! dachte Güldenfey. Aber sie verwarf den Gedanken gleich wieder. Gab das nicht zu Mißdeutungen Anlaß, wenn sie als Spenderin mit gefüllten Armen eintrat? Sie wollte zuerst Vertrauen gewinnen.

Als sie klopfenden Herzens die unsaubere Stiege des von häßlichen Küchendüften erfüllten Hauses emporstieg, lehnte sich eine Frau in unordentlichem Anzug über das Geländer und musterte sie in aufdringlicher Neugier.

»Nicht wahr, hier wohnt Frau Jobst?« fragte Güldenfey freundlich.

Die Musternde wurde zugänglich und gab mit lauter Geschwätzigkeit Bescheid. Die Jobsten! Ja, ja! Noch wohne sie hier. Ob sie zu Haus sei, wisse man nicht, sie habe seit gestern wieder eine Stelle. Aber der Jobst sei da und das Kind.

Güldenfey hielt dem Redestrom tapfer stand und blickte die Frau ruhig an. In ihr krampfte sich etwas zusammen. Wie roh die Gesichtszüge waren, wie rauh die Worte und wie wüst das armselige Haar! Das waren die Hausgenossen der Frau, die einst mit glänzendem Gespann durch die Straßen fuhr und im Treßhof ein und aus ging, die erste Dame der Stadt!

Sie dankte und tappte in den dunklen Gang, den jene ihr gewiesen. Es waren viele Türen hier. Auf gut Glück pochte sie an eine, hinter der ein lang anhaltendes hohles Husten hörbar war. Eine zerbrochene Stimme sagte etwas, dann näherten sich trippelnde Kinderfüße der Tür.

»Wohnt hier Frau Jobst?« wiederholte Güldenfey ihre Frage.

Das Kind führte den Finger zum Mund und sah den Besuch unschlüssig an. Aus der Tiefe des Raumes drangen wieder Laute der zerbrochenen Stimme.

»Darf ich wohl eintreten?« fragte Güldenfey und schob sich durch den Türspalt in die Stube.

Daß es Gott erbarm! Der Raum war kalt und wirkte darum in seiner Kahlheit noch frostiger. Zwei Stühle, ein Tisch, ein Bett, ein Gestell, das wohl zur Herrichtung eines zweiten Lagers diente. Kisten, in denen einiges Geschirr aufgestapelt war. Von einem Kochofen stieg ein seltsamer Brodem auf. Durch kahle Fenster sah der blaue Frühlingstag.