Auf dem Bett lag ein Mann mit wirrem blondem Kopf- und Barthaar. Seine dürre Hand hielt ein blau und weiß gestreiftes rauhes Hemd über der Brust zusammen. Auf dem Stuhl am Bett stand ein Trinkgefäß mit braunem Trank gefüllt.

»Ich suche Frau Jobst«, sagte Güldenfey, als sich ihr das wächserne Gesicht fragend zuwandte. Es kostete sie Mühe, mit ihrer Stimme die Lasten der Beklemmung zu heben, die dieser Anblick auf sie legte.

Der Mann machte eine bedauernde Gebärde. »Meine Frau ist auf Arbeit gegangen«, sagte die zerbrochene Stimme mühsam. »Sie wollen sie wohl zur Aufwartung. Das ist unmöglich. Sie ist fast den ganzen Tag über fort, und die Zeit, die ihr übrigbleibt —«

Eine Handbewegung deutete auf die kärgliche Umgebung und das Kind. Ein Hustenanfall riß wütend die ausgehöhlte Brust auf und nieder. Und dich, du Armer, begreift deine Gebärde nicht einmal mit ein, dachte Güldenfey. Sie wartete, bis er Ruhe fand, sie anzuhören. Etwas in ihr warnte sie, zu sagen, warum sie gekommen sei.

»Kann man denn nichts für Sie tun?« fragte sie.

Er gab weder durch Gebärde noch Miene Antwort. Sein Schweigen war durchaus abweisend: Laß mir meine Ruhe und frage nicht!

»Ich hätte Ihre Frau gern gesprochen«, begann sie zaghaft aufs neue. »Wann könnte das wohl sein, wann darf ich wiederkommen?«

»Heute nicht«, sagte der Kranke.

»Also morgen! Gut, ich komme morgen. Und um welche Zeit? Bemühen Sie sich nicht mit Reden. Nicken Sie nur, wenn es zutrifft. Mittags? Nein, schön! Nachmittags etwa gegen fünf Uhr? Auch nicht! Also des Abends?«

Jobst wandte plötzlich das Gesicht Güldenfey zu; aus seinen erlöschenden Augen traf sie ein forschender Blick. »Schreiben Sie Ihre Adresse auf«, sagte er. »Meine Frau wird sich schon bei Ihnen melden.«