O nein, sie würde nie kommen; in den Treßhof würde sie nimmermehr gehen!

»Es ist besser, ich komme morgen selbst wieder«, sagte Güldenfey hastig. »Ihre Frau ist am Abend müde und findet hier mancherlei zu tun. Ja, morgen abend komme ich und wünsche herzlich, daß es Ihnen bis dahin besser gehe.«

Ihre Augen grüßten; mit unbeschreiblich lieber Bewegung neigte sie sich zu dem Kind und streichelte es. Ach, was alles ihm fehlte! Dann ging sie.

Und dann kam ein Tag voll aufgeregten Wartens, voll guter Vorsätze und heimlicher Pläne. Was sich Güldenfey alles ausdachte, und wie ihr Herz einem gesegneten Brunnen im Frühling glich, der seine Wasser von einer Schale in die andre sprudeln läßt! Malte? Nein, sie ging nicht zu ihm, sie wollte ungehemmt alles allein tun. Auch Ose teilte sie sich nicht mit.

Aber dann kam die Enttäuschung.

Als sie am Abend vor dem Hause eintraf, das ihre Gedanken während des ganzen Tages umkreist hatten, stand da vor der Tür ein kleiner Wagen, mit einem müden Pferdchen bespannt, von dem Leute einen geringen Hausrat abluden. Kinder schleppten vor ihr her Besen und Eimer die Treppe empor und in den dunklen Flur hinein. Auf dem Treppenabsatz stand mit einer andern schwatzend die unordentlich gekleidete Frau, zottig wie gestern, obschon es spät am Tage war. Güldenfey grüßte und schickte sich an, den Gang zu betreten.

»Jobstens sind fort«, rief ihr die Frau zu.

Güldenfey blieb stehen. »Fort?« fragte sie staunend.

»Sie sehen ja. Es ziehen doch schon andre ein.« Die Auskunft wurde fast kränkend hingeworfen.

»Ja, aber ... Wo sind sie denn hingezogen?«