Ach ja, sie trugen den Verdienst in Geldbündeln, mit denen sie die Taschen vollstopften, heim, warfen es für Nichtigkeiten wieder aus und lebten in den Tag hinein.
»Mach, daß du es los wirst«, riet die erste Stimme. »Wer weiß, was es am Montag noch gilt!«
Eine grelle Musik setzte ein. Im Untergeschoß befand sich eine Filmbühne; in dem Saal des Nachbargrundstücks wurde getanzt. Die Melodien der beiden Spielbanden schrien widereinander; dazwischen das jauchzende Aufkreischen einer Frauenstimme.
Güldenfey klopfte an. Schlurfende Schritte; dann wurde geöffnet.
»Können Sie mir wohl sagen, ob eine Frau Jobst hier im Hause wohnt? Der Mann ist krank, ein kleines Mädchen gehört zu ihnen.«
Wie oft hatte sie diese Frage getan!
Der bärtige Mann schob den Kopf vor, um die Fragende zu mustern. »Kenne ich nicht!«
Güldenfey gab genauere Angaben: der Mann sei Monteur, das Kind trage einen blonden Zopf.
Der Mann schüttelte den Kopf. »Machen Sie um diese Zeit noch Nachfragen, Fräulein? Lassen Sie das lieber! Wenn Sie auch von der Fürsorge sind, es könnte Ihnen was passieren.«
Güldenfey dankte und ging. Die Tür wurde geschlossen. Im Hinabsteigen blieb sie an dem Treppenfenster stehen und blickte in den schmutzigen Hof hinab. Tanzmusik und Bühnenmusik schrillten noch immer widereinander. Die Hinterwand des Hauses stand buntscheckig wie ein Bühnenstück unter dem erlöschenden Abendhimmel: der Verputz war in großen Stücken abgebröckelt, und keine Hand hatte sich gerührt, die großen Wunden der Wände zu verstreichen.